Die ersten kühlen Abende kommen, Sie drehen den Thermostat auf – und der Heizkörper bleibt oben kalt, während er unten warm wird. Dazu ein leises Gluckern und Blubbern in den Leitungen. Das ist das klassische Bild für Luft im Heizkörper. Die gute Nachricht: Das Entlüften erledigen Sie in wenigen Minuten selbst, brauchen dafür nur einen Entlüftungsschlüssel und ein Gefäß. Wir zeigen Ihnen die richtige Reihenfolge, den Schritt, den fast alle vergessen – und was dahintersteckt, wenn der Heizkörper trotz Entlüften kalt bleibt.
Der beste Zeitpunkt ist jetzt. Wer die Heizkörper im September entlüftet statt beim ersten Kälteeinbruch, hat eine warme Wohnung ab dem ersten Tag – und merkt rechtzeitig, ob doch ein Fachbetrieb ran muss.
Woran erkenne ich Luft im Heizkörper?
Luft sammelt sich immer am höchsten Punkt des Heizkörpers und verdrängt dort das Heizwasser. Genau dieser Bereich bleibt dann kalt. Typische Anzeichen sind:
- Oben kalt, unten warm: das eindeutigste Signal – die Luftblase sitzt im oberen Drittel.
- Gluckern, Blubbern oder Rauschen, besonders kurz nachdem die Heizung anspringt.
- Der Raum wird deutlich langsamer warm als früher, obwohl das Thermostat voll aufgedreht ist.
- Nach Arbeiten an der Anlage (Thermentausch, Heizkörpertausch, Wasser nachgefüllt) ist Luft praktisch immer im System.
Ein Heizkörper, der komplett kalt bleibt – also auch im unteren Bereich – hat dagegen meist ein anderes Problem. Dazu weiter unten mehr.
Das brauchen Sie zum Entlüften
- Entlüftungsschlüssel (Vierkant, wenige Euro im Baumarkt) – bei manchen modernen Heizkörpern genügt ein Schlitzschraubendreher.
- Kleines Gefäß oder eine Tasse, um austretendes Wasser aufzufangen.
- Lappen oder Handtuch – das Heizwasser ist bräunlich und hinterlässt Flecken auf hellen Böden.
- Optional: Füllschlauch, falls Sie danach Wasser nachfüllen müssen.
Heizkörper entlüften – Schritt für Schritt
Halten Sie sich an diese Reihenfolge, sonst entlüften Sie zweimal:
- 1. Alle Thermostatventile voll aufdrehen und die Heizung kurz auf höchster Stufe laufen lassen. So wird die Luft aus den Rohren in die Heizkörper gespült.
- 2. Therme abschalten bzw. die Umwälzpumpe ausschalten und 30 bis 60 Minuten warten. Erst in der ruhenden Anlage steigt die Luft an die höchsten Punkte.
- 3. Richtige Reihenfolge wählen: im Haus vom untersten Stockwerk nach oben, innerhalb einer Etage vom Heizkörper, der der Therme am nächsten liegt, zum am weitesten entfernten.
- 4. Ventil öffnen: Entlüftungsschlüssel auf das Ventil an der oberen Seite des Heizkörpers setzen, Gefäß darunterhalten und langsam maximal eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn öffnen. Es zischt hörbar.
- 5. Warten, bis Wasser kommt: Sobald statt Luft ein gleichmäßiger Wasserstrahl austritt, ist der Heizkörper entlüftet. Ventil sofort wieder zudrehen – handfest, nicht mit Gewalt.
- 6. Nächster Heizkörper, danach Heizung wieder einschalten und den Wasserdruck kontrollieren.
Ventil niemals ganz herausdrehen. Eine halbe Umdrehung reicht. Drehen Sie zu weit auf, kann die komplette Ventilschraube herausspringen – dann läuft heißes Heizwasser unkontrolliert in den Raum und Sie brauchen sofort einen Notdienst.
Der Schritt, den fast alle vergessen: Wasserdruck prüfen
Ihr Heizsystem ist ein geschlossener Kreislauf. Jede abgelassene Luftblase und jeder Schluck Wasser senken den Anlagendruck. Entlüften Sie fünf Heizkörper hintereinander, kann der Druck spürbar abfallen – und dann bleiben die Heizkörper trotz erfolgreicher Entlüftung kalt, weil die Umwälzpumpe das Wasser nicht mehr sauber umwälzt.
- Manometer ablesen (meist an der Unterseite der Therme) – bei abgekühlter Anlage.
- Sollwert: rund 1,2 bis 1,5 bar im kalten Zustand.
- Liegt der Zeiger darunter: Wasser nachfüllen und anschließend nochmals kurz entlüften.
Wie das Nachfüllen genau funktioniert, welcher Hahn der richtige ist und warum Sie dabei nie über 2,5 bar kommen dürfen, haben wir hier ausführlich beschrieben: Therme Wasser nachfüllen – Wasserdruck richtig einstellen.
Heizkörper bleibt kalt – die 4 häufigsten Ursachen
Kommt beim Entlüften sofort Wasser und der Heizkörper wird trotzdem nicht warm, war Luft nicht das Problem. Dann kommen vier Ursachen in Frage:
1. Festsitzender Ventilstift am Thermostat
Die mit Abstand häufigste Ursache nach dem Sommer. Wurde das Thermostatventil monatelang nicht bewegt, verklemmt der Stift darunter in geschlossener Position – das Ventil öffnet nicht mehr, egal wie weit Sie aufdrehen. Test: Thermostatkopf abschrauben und den Metallstift darunter vorsichtig mit einer Zange ein paar Mal hinein- und herausbewegen. Springt er von selbst zurück, ist alles in Ordnung. Bleibt er stecken, muss das Ventil erneuert werden.
2. Heizschlamm im Heizkörper
Über Jahre setzen sich Korrosionsprodukte und Schlamm im unteren Bereich des Heizkörpers ab. Typisches Bild: Der Heizkörper wird oben warm, unten aber kalt – also genau umgekehrt zum Luftproblem. Hier hilft kein Entlüften, sondern nur eine Spülung der Anlage durch den Fachbetrieb.
3. Fehlender hydraulischer Abgleich
Werden die Heizkörper nahe der Therme brennheiß und die entfernten kaum lauwarm, verteilt sich das Heizwasser ungleichmäßig. Beim hydraulischen Abgleich wird der Durchfluss jedes Heizkörpers auf den tatsächlichen Wärmebedarf des Raums eingestellt. Das behebt nicht nur kalte Räume, sondern senkt auch den Verbrauch spürbar – und ist die Voraussetzung dafür, dass eine Fußbodenheizung oder eine Wärmepumpe effizient arbeitet.
4. Schwache oder defekte Umwälzpumpe
Läuft die Pumpe zu langsam oder gar nicht, erreicht das warme Wasser die entfernten Heizkörper nicht mehr. Häufig ist die Pumpe auch nur zu niedrig eingestellt. Prüfen und einstellen sollte das der Installateur – das ist Teil jeder ordentlichen Wartung.
Wann Sie einen Fachbetrieb rufen sollten
- Sie müssen mehrmals pro Saison denselben Heizkörper entlüften – dann zieht die Anlage irgendwo Luft.
- Nach dem Entlüften fällt der Druck immer wieder ab, obwohl Sie nachfüllen.
- Am Entlüftungsventil oder an Verschraubungen tropft es bzw. es zeigen sich Kalkränder oder Rost.
- Ein Heizkörper bleibt komplett kalt, während alle anderen warm werden.
- Die Therme zeigt eine Störung oder schaltet sich wiederholt ab.
In diesen Fällen hilft unsere Thermenreparatur weiter. Fällt die Heizung mitten in der Heizsaison ganz aus, ist unser Thermen-Notdienst in Wien rund um die Uhr erreichbar – was Sie in den ersten Minuten selbst tun können, lesen Sie unter Thermenstörung: Notdienst in Wien.
Einmal richtig statt jedes Jahr aufs Neue
Wiederkehrende Luft im System ist kein Naturgesetz, sondern ein Hinweis: undichte Stellen, ein defektes Ausdehnungsgefäß oder ein dauerhaft zu niedriger Anlagendruck. Bei der jährlichen Thermenwartung prüfen wir genau diese Punkte – Anlagendruck, Ausdehnungsgefäß, Sicherheitsventil und Umwälzpumpe – und entlüften die Anlage fachgerecht mit. Zum Fixpreis von € 159 inklusive Reinigung, Abgasmessung und Prüfprotokoll, markenübergreifend und ÖVGW-konform.
Heizkörper bleibt trotz Entlüften kalt? Rufen Sie uns an unter 01 / 208 00 82 oder schildern Sie uns Ihr Problem über das Kontaktformular. Wir sind in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland für Sie da – und im Frühherbst deutlich schneller beim Termin als beim ersten Frost.




